3. Schlußbemerkung
und Ausblick
Das Thema der Onlinebücher und Textarchive konnte im Rahmen dieser
Arbeit
nur in Auszügen behandelt werden. Die Masse der Angebote und
beschriebenen Schwierigkeiten bei der Suche im Internet machen eine
vollständige Darstellung unmöglich. Die ausgewählten Beispiele
konnten aber
veranschaulichen, wie breit das Spektrum der Darstellungsformen und
Nutzungsmöglichkeiten durch das Internet ist. Als Medium zur
Literaturvermittlung für eine breite Öffentlichkeit, hat das
Internet sich
allerdings noch nicht etabliert. Ein Grund dafür sind die technischen
Voraussetzungen, die für einen Internetzugang notwendig sind.51
In der
Vergangenheit hat sich jedoch gezeigt, daß Computerhardware immer
preisgünstiger wird und die Benutzerfreundlichkeit von Hard- und
Softwareprodukten ständig zunimmt. Wenn dieser Trend anhält,
sollte man
davon ausgehen können, daß die Benutzung eines Computers, auch
für
Verbindungen ins Internet, immer selbstverständlicher wird.
Wichtiger erscheinen jedoch die Fragen des Urheberrechts, um das inhaltliche
Angebot attraktiver gestalten zu können. Eng verknüpft damit
ist auch die
Kostenfrage und mögliche Finanzierungs- und Berechnungsmodelle der
Zukunft. Für Verlage, die eine gute Qualität der Inhalte und
ihrer Präsentation
garantieren, ist es eine kostenlose Publikation genauso wenig interessant
wie
für einen Autor.52
Außerdem ist die Bearbeitung und Konvertierung von
Texten für die Onlineveröffentlichung mit einem hohen Zeit- und
damit
Kostenaufwand verbunden, wenn sie für die Nutzer einen tatsächlichen
Zusatzwert gegenüber einer Printpublikation haben soll. Es wird zwar
auch in
Zukunft sicher kostenlose Literatur im Netz geben, sobald es sich aber
um
inhaltlich und technisch kostenintensive Angebote handelt, wird es ein
für die
Nutzer mit Kosten verbunden sein. Im Bereich der wissenschaftlichen Nutzung
ist ein Modell denkbar, daß Bibliotheken, Schulen und Universitäten
kostengünstig Zugang zu diesen Angeboten verschafft.
Von entscheidender Bedeutung für die Zukunft von Literatur im Internet
wird
es sein, daß sich eigene Formen entwicklen, die sich vom klassischen
Buch
absetzen. Inwiefern dies schon heute versucht wird, zeigen vorallem die
künstlerisch-experimentellen Auseinandersetzungen mit den Möglichkeiten
dieser Veröffentlichungsform, wie beispielsweise die Beiträge
zum 1. Internet
Literaturwettbewerb.53
Eine Verdrängung des Buches als literaturvermittelndes
Medium durch das Internet wird bestimmt nicht stattfinden. Buch und Internet
können nebeneinander existieren, denn die Inhalte des Internets müssen
und
werden sich im Laufe der Zeit so dem Medium anpassen, daß es eine
eigene
Literaturform geben wird. Wer diese Inhalte anbieten wird und ob Verlage
in
diesem Bereich ebenfalls eine Rolle spielen werden, wird sich erst noch
zeigen
müssen.54
In Zukunft wird es also verschiedene Konzepte der Onlineliteratur geben.
Die
einfache Abbildung von Buchinhalten, wie sie heute noch in der Mehrzahl
stattfindet, wird dabei nicht die entscheidende Rolle spielen. Wünschenswert
ist es hingegen, schwerzugängliche und seltene Werke in dieser Form
zu
publizieren. Um diese Onlinebücher für wissenschaftliche Arbeiten
verwenden
zu können, ist es auf jeden Fall notwendig, die Suchwerkzeuge zu
perfektionieren. Eine zunehmende Kommerzialisierung ist nicht aufzuhalten,
damit sinnvolle, nutzerfreundliche und inhaltlich hochwertige
Literaturangebote geschaffen werden können. Welche neuen Formen der
Literatur es in Zukunft geben wird, bleibt abzuwarten. Die wachsende Zahl
der
Internetnutzer wird darüber entscheiden, welche Angebote sich durchsetzen
können.