2.2.3 Bartleby Library 
Als Beipiel für die zahlreichen Literaturangebote im Netz, die von
amerikanischen Universitäten erstellt werden30, soll nun die Bartleby Library
vorgestellt werden. Diese virtuelle Bibliothek der New Yorker Columbia
Universität wurde im Januar 1993 ins Leben gerufen. Es handelt sich dabei um
ein Volltextarchiv englischsprachiger Literatur. Der Herausgeber Steven
Leeuwen gibt in einem Interview sogar an, daß sie die erste Online-Bibliothek
für Gedichte, Bücher und weiterführendes Material sei.31 Diese Aussage ist
insofern nicht zutreffend, als daß es zumindest das amerikanische Projekt
Gutenberg schon seit 1971 gibt.32 Lediglich in Bezug auf die Präsentation und
das Ergänzen der reinen Textinformation durch Bilder, biographische Daten
zum Autor o.ä. könnte man von einer neuen Form der elektronischen
Bibliothek sprechen. Es wird großen Wert auf eine sorgfältige Bearbeitung der
Texte gelegt, sodaß sie sehr angenehm zu lesen sind.

Die Bibliothek soll vor allem in der Forschung und Lehre genutzt werden. Zu
diesem Zweck sind nicht nur die reinen Texte verfügbar, sondern es werden
soweit möglich, auch zusätzliche Informationen geliefert, wie beispielsweise
biographische Angaben zum Autor. Für einzelne Werke besteht die
Möglichkeit einer gezielten Recherche im elektronischen Text.33 Durch die
Übernahme der Kapitelnummerierung und speziellen Auszeichnungen, die
sich auch in der Internetadresse der einzelnen Texte nachvollziehen lassen,
wird das Ziel verfolgt, elektronische Texte für wissenschaftliche Arbeiten
zitierbar zu machen.34 

In Zukunft soll das Angebot in verschiedenen Bereichen ausgebaut werden.
Neben den bisherigen literarischen und literaturwissenschaftlichen Texten,
sollen auch Themenbereiche wieGeschichte, Biographien und die
Naturwissenschaften berücksichtigt werden. Außerdem soll es eine Sammlung
der Werke von Literaturpreisträgern geben (wie z.B. dem Literaturnobelpreis).
Um dies auch für Werke mit noch nicht abgelaufener Schutzfrist möglich zu
machen, werden Kooperationen mit Verlagen angestrebt. Eine Idee, die dies
möglich machen soll ist, daß Verlage ihre Werke auf der CD-ROM der Bartleby
Bibliothek veröffentlichen können und im Gegenzug eine Onlinenutzung
einräumen.35 Dazu sollen verstärkt Werke digitalisiert werden, deren
Copyright ohnehin bei der Universität liegen. Durch Zusammenarbeit mit
Anbietern von ähnlichen eletronischen Textarchiven soll die Beschränkung auf
englischsprachige Literatur aufgehoben werden. Als weiteres Ziel wird die
Absicht genannt, neben der Textinformation, auch andere Daten, wie Ton- und
Filmdokumente in die Bibliothek zu integrieren.36 

Die Form der Präsentation elektronischer Texte wie sie im Rahmen der
Bartleby Bibliothek geschieht, kann eine Möglichkeit sein, den Umgang mit so
aufbereiteter Literatur in Forschung und Lehre zu etablieren. Das Angebot, vor
allem an zusätzlichen Informationen, muß hierfür allerdings noch stark
erweitert werden. Die Nutzung an der Universität kann beispielsweise so
aussehen, daß Studenten zumindest die einführende Literatur als
elektronischer Text (über Links) zur Verfügung gestellt wird.