1.2 Abgrenzung der verschiedenen Literaturangebote 

Ein Problem bei der Untersuchung von Internetangeboten entsteht dadurch,
daß es noch keine eindeutigen Bezeichnungen und Definitionen gibt. Zunächst
muß eine Abgrenzung gegenüber den anderen Inhalten des Internet getroffen
werden. Die Tatsache, daß die Information durch Lesen erschlossen werden
kann, ist dabei noch nicht ausreichend, da dies bedeuten würde, jede
Textinformation im Netz (was im Moment den überwiegenden Teil der
Angebote einschließen würde) als Onlinebuch bezeichnen zu müssen. Solange
es sich um Texte handelt, die bereits als Printausgabe erschienen sind und die
Nähe zum traditionellen Buch daher offensichtlich ist, liegt die Bezeichnung als
Onlinebuch oder Onlinetext nahe. Ein Onlinebuch ist kein Buch, es kann zwar
gelesen werden, aber die Information wird dem Nutzer durch ein anderes
Medium, nämlich den Computer bzw. einen Bildschirm zur Verfügung gestellt.
Von der Nutzungsart sind die Inhalte der einfachen Textarchive den
traditionellen Büchern am ähnlichsten.6 Der Zusatznutzen eines solchen
Archivs durch die elektronische Form ist beschränkt. Die Texte werden kaum
aufbereitet, sondern lediglich in eine elektronische Form gebracht, um eine
Veröffentlichung online zu ermöglichen.7 

Als nächste Stufe der Textpräsentation könnte man die verschiedenen
Literaturprojekte anführen. Auch hier sind in erster Linie Texte vertreten, die
es ebenfalls in Buchform gibt. Doch werden teilweise schon zusätzliche
Funktionen angeboten, die über das, was die Publikation in einem
herkömmlichen Buch leisten kann hinausgehen. Genannt sei hier die
Möglichkeit Texte nach bestimmten Begriffen durchzusuchen oder Links zu
weiterführender Literatur zu einem Thema.8 

Am vielfältigsten sind jedoch die Angebote, die über die reine Textinformation
hinausgehen. Diese „neuen Formen der Literatur“, wie sie im Rahmen dieser
Arbeit genannt werden sollen, lassen sich nicht mit den herkömmlichen
Begriffen für einen Text oder ein Buch beschreiben. Denn diese Angebote
unterscheiden sich durch den Einsatz der Möglichkeiten, die die elekronische
Wiedergabe bietet, zu stark von reinen Texten. Lineares Lesen tritt in den
Hintergrund, zugunsten einer Hypertextstruktur9. Die Verknüpfung von
reinem Text mit Bilder-, Ton- und Filmelementen lassen ein völlig neues
Produkt entstehen. Die Möglichkeiten sind in diesem Bereich nahezu
unbegrenzt.10 

Die hier vorgestellte Dreiteilung in Textarchive, Literaturprojekte und neue
Formen ist nur ein Versuch der Klassifizierung. Die Grenzen zwischen diesen
einzelnen Möglichkeiten der Literaturpräsentation sind fließend. Die
Entwicklung neuer Formen geht beständig weiter.